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Wieder ein internationaler Künstler in der Galerie Zorzycki: nach Virgilio Bari und Cäsar W. Radetzky nun Eugenia Gortchakova, gerade zurück aus Toulouse.
„Die Malerei ist für Eugenia Gortchakova das Mittel, ihre Position zu finden und zu definieren. Literatur und Philosophie waren dabei von Anfang an begleitend von größter Wichtigkeit. Als die Künstlerin 1991 von Moskau nach Paris ging und hier mit den westlichen Kunstströmungen konfrontiert wurde, änderte sie ihren Malstil und entwickelte die charakteristische Farbstrichstruktur.
Seither sind ihre Bilder aus kleinen, in ihrer Größe nur wenig variierenden Farbstrichen, die parallel dicht neben- und untereinander gesetzt sind, aufgebaut. Die so entstandene Grundstruktur erinnert an Textilien. Die Bilder sind zweigeteilt mit unterschiedlicher Strichanordnung in den beiden Hälften: Einmal ist die zentrierte Kreisform bestimmend, wobei mal der Kreis dominiert, mal die radiale auf das Zentrum ausgerichtete Anordnung der Farbsetzungen. Im anderen Teil sind die Farbsetzungen parallel und linear, waagrecht und senkrecht ausgerichtet. Zu dieser formalen Struktur kommt eine farbige, die unabhängig dazu, bandartig über die Bildfläche verläuft und die beiden Bildteile miteinander verbindet. (...)
Die zwei Bildhälften stehen für das zyklische und lineare Prinzip von Zeitmessung und für die zentrierte und gerichtete Erfassung von Raum. Während die Kreisform immer wiederkehrende Abläufe und damit letztlich die Ewigkeit versinnbildlicht, symbolisiert die gerichtete Anordnung die fließende Zeit. Jeder gemalte Strich ist eine Zeiteinheit. (...) Für Eugenia Gortchakova sind ihre Bilder Ausdruck von Dauer, die sie dem Tod, dem Bewusstsein der Endlichkeit des Lebens, entgegensetzt.
Eugenia Gortchakovas Arbeiten stehen in der Tradition der russischen Kunst, in der Tradition der Ikonenmalerei gleichermaßen wie der Avantgarde. Die Ikonenmalerei war in Russland stets präsent und prägte die künstlerische Einstellung der Avantgarde. In den Ikonen ist neben dem christlichen Erbe Byzynz' auch das griechisch-antike Gedankengut tradiert. In diesem Kontext ist auch das Licht in den Bildern von Eugenia Gortchakova zu sehen. Es ist in den Farben immanent und existiert eigenständig und unabhängig von natürlichem Licht. Wie die Struktur der Pinselstriche verweist es auf eine universale Ordnung. Das primäre Anliegen der russischen Kunst ist es, geistige Inhalte und ewig Gültiges darzustellen. Das russische Wort für Malen – pisatj' – ist dasselbe wie für Schreiben. Das Schreiben ist eine geistige Tätigkeit. Der Bezug zum Literarischen ist daher stets gegeben.“
Dr. Claudia Tutsch
Eugenia Gortchakova: „Indem ich mit Strichen Augenblicke schreibe, immer wieder Kreis und linearer Richtung folgend, reinige ich das Bewusstsein. Ich gerate in einen Dialog mit Menschen, Künstlern, Philosophen. Mit ihren Portäts baue ich eine transparente Wand, die mir den Zugang zur Welt des Geistes ermöglicht.“
Die Ausstellung ist geöffnet mittwochs bis freitags von 16:30 bis 19:00 Uhr,
samstags von 10:00 bis 13:00 Uhr und nach telefonischer Vereinbarung.
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